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Audax Randonneurs Allemagne

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Von: Karin Burk

Jubiläumsbrevet Paris – Hamburg 2017

Karin Burks Bericht über ihre Teilnahme am Superbrevet Paris-Hamburg am 11. September 2017


Eigentlich sollte „An’s Meer“ mein erster Ü600 werden. Leider hatte meine Gesundheit was dagegen. Im Nachhinein war die schlauer als ich, denn der wäre ein harter Einstieg gewesen.

Die Anreise nach Paris erfolgte am Samstag früh morgens. Aynur und Hajo, die ich bei den Brevets der ARA Saarland kennen und schätzen gelernt hatte, hatten mir angeboten mit ihnen zusammen zu fahren. sie waren so lieb und nahmen mich mit. Mittags ging es dann noch nach Paris rein. Nach der Stippvisite war mir klar, dass ich da noch mal hin muss. Alleine und mit viel Zeit. Am Eiffelturm erwischte uns dann auch schon der 1. Platzregen. Abends ging es noch zum Vietnamesen um die Ecke und dann ab ins Bett. Da die 2 Nächte davor schon recht schlafarm waren, hoffte ich, dass ich die letzte langen Schlafnacht noch mal voll auskosten konnte, was aber leider Dank nervöser Blasenanwandlungen, nicht funktionierte.

Sonntag war für mich daher schon ein Tag, mit Grundspannung. Hatte mir doch die Blase einige Events dieses Jahr versaut. Um 17 Uhr fuhren wir zum Startpunkt der Brevets von ACP nach Noisiel, wo auch wir starten durfte. Der Superbrevet entstand im Gedenken an die Verbindung ACP und ARA Hamburg, wo vor Jahr und Tag der Samen für die Randonneur-Szene durch Claus Czycholl gelegt wurde.

Radabnahme, Startunterlagen abholen, Plauschen, freuen über unerwartetes Wiedersehen, nervöses herum trippeln… dann endlich Begrüßung von Claus Czycholl, Rainer Paffrath, Sina Witte und vom ACP.

Abends gingen wir noch mal zum Vietnamesen. Anschließend ging ich direkt ins Bett, noch ein wenig Sozialkontakte pflegen und Musik hören. Dann - Ruhe. Meine Taschen hatte ich mittags schon so weit sortiert und gerichtet. Eine fürs Rad, die 2. Mit Sinnlosem ging zurück nach Deutschland und eine 3. wurde  mit dem Anreisebus zur JuHe nach Hamburg transportiert.

Montagmorgen: 3Uhr…Aufstehen, Kaffee, Frühstücken.. die Megastrafe für jemanden der Morgens normal nie was isst. Würg schluck stopf..bäh…

Ab zum Startplatz. Wir waren in der Startgruppe A: Start 4:50 Uhr. 500m vor erreichen des Startplatzes… Platzregen…schnell rechts ran und unterstellen. Mit nassen Klamotten starten war nicht sinnvoll. 5 min vor Start…der Bus für das Hamburggepäck war immer noch nicht da. Dann endlich, in letzter Minute…Gepäck reinwerfen …schnell zurück und ab in die Aufstellung … und los ging es. Gleich zu Anfang ungewohnter Startstress. Hinterrad halten…reintreten. Beschleunigen – Bremsen – rechts - links…STOP…darauf hatte ich keine Lust und ich hatte keine Ahnung was und wie ich die 1200 schaffen soll. Klar war nur: da mach ich nicht mit. Die 2 aus Saarbrücken waren dann so nett und nahmen raus, damit sie mich nicht verlieren. Obwohl ich versicherte, dass es für mich OK wäre, wenn sie schneller weiter wollten. Bremsen wollte ich nicht. Das Feld zog sich auseinander. Bald waren wir mehr oder weniger alleine. Hin und wieder zog ein Expresszug von den späteren Stadtblöcken an uns vorbei. In aller Ruhe rollten wir durch die Champagne, wo gerade die Weinlese voll im Gange ist. Die Straßen sind eher Schlammweg. Flutschig schmierig splittrig. Was mir als begeisterter Weinleser auffällt: die Weinstöcke sind sehr niedrig, so dass man darüber weg sehen kann. Bei uns verschwindet man in den Zeilen. Wir hatten Glück und werden von Platten verschont. Das was Asphalt sein sollte provoziert ja geradezu ein „pffffffff……“.

Hinterher bekam ich mit, dass sich hier einige einen Platten holten und dank dem Schmier hat es auch jemanden geschmissen, aber Gott sein Dank ohne Folgen.

Es gibt bis Wallerfangen nur ein paar wenige Szenen die mir im Gedächtnis blieben. Weinlese und Schmutzstrassen in der Champagne, 1. Kontrolle – Stempel in Bäckerei, leider ohne Kaffee. Daher rein in die Stadt und da saßen wir dann im Cafe beim Kaffee. Kurz vorher hat sich uns Wolf angeschlossen. Der Wind schob von Hinten oder drückte von der Seite und für mich, der ich als 4. fuhr, war das mit der Windstaffel nicht so einfach. Meist wäre ich auf der Gegenfahrbahn gefahren. Daher keinen Windschatten und rechts am Rand den anderen hinterher. Schon nach kurzer Zeit war ichl reichlich am Fluchen und Schimpfen. Später am Tag umkreisen die Velomobile, ein Liegeradler und wir 4 uns für eine geraume Zeit. Plötzlich wurde ich vom Windfieber erfasst und wir fegten mit 40+x Sachen durch die Lande. Der Wind immer hinter uns her. Ich musste Lachen und singen und schreien vor Genuss. Platzte förmlich vor Freude am Wind und dem Leben und überhaupt.

2. Kontrolle in Verdun. Kaffee in der Bar, essen von der Bäckerei gegenüber. Kurz bevor wir wieder los sind, kam Claus noch rein und bestellte Milch. Milch..? Ja, Milch.

Und weiter ging es. Jedoch hat mir die Pause die Kraft geraubt und die Anderen 3 nehmen raus. Es wurde Dunkel und kalt. Irgendwann kurz vor Wallerfangen verlangten wir nach Futter, Wasser und Cola. Wir verloren viel Zeit beim rumssuchen in der Stadt. An der Wegstrecke haben wir jedoch nichts gefunden. Also weiter. Und dann…da oben rechts…eine Kneipe. STOP!… 2 Cola für mich. Bei dem ausrangierten getoasteten Brot auf dem Gang, bei dem ich beim Vorbeilaufen zur Toilette vorbei kam, musste ich einfach zu greifen. Ist schon eigenartig, was solche Strecken mit einem anstellen. Kaum saßen wir drin, kam einer der russischen Teilnehmer rein. Eine sehr auffällige, nein, das ist das falsche Wort, ein Mensch mit einer starken Ausstrahlung. Er hatte mich schon am Startplatz fasziniert. Und er fuhr mit einem Fixie. Gerne hätte ich mich mit ihm unterhalten, aber er hielt sich abseits und nun ja …da war ja auch die  Sprachbarriere. Am Montag nach meiner Rückkehr lud ich meine Touren auf Strava hoch und wie es der Zufall so wollte erfuhr ich über flyby seinen Namen Sergey Shulubin. Den hab ich just for fun in Google eingegeben: Und Flash: er ist ein Künstler…Gitarrist.. eigene Band…CDs .. Videos von Auftritten auf YouTube.

Nach 15 Minuten ging es dann weiter nach Wallerfangen. Dort wurden wir mit „Ja, da kommen ja unsere Saarländer“ von Andrea, Stefan und Johannes empfangen. Große Freude in mir. Zum Futtern gab es Würstchen mit Kartoffelsalat. Also für mich nur Kartoffelsalat und Pfefferminztee. Die Feldbetten standen draußen im Zelt. Noch während ich mir überlegte was ich machen soll, holte Stefan ein paar der Feldbetten in das Restaurant rein. Aynur, Hajo und Wolf legten raus, ich stopfe mir meine Kopfhörer ins Ohr und legte mich im Warmen unter die Decke. Nach kurzer Zeit war ich dann auch schon eingeschlafen. 2 Stunden später krabbele ich wieder drunter vor. Meinen warmen Platz gab ich direkt an Claus weiter, der nach 2 Stündigem Irrweg recht verfroren reinkam, weiter. Ja, in Wallerfangen ist es immer ein paar Grad kälter. Musste ich bei meinen Zeltübernachtungen vor den Brevets mehr als einmal am eigenen Leib erfahren. Noch mal warmer Tee trinken, etwas Schoggi dazu und dann standen auch schon Hajo und Aynur abfahrtfertig da. Wegend er Kälte hatte zumindest Aynur nicht schlafen können. Wolf wurde noch geweckt und um 3 Uhr, glaub ich, machten wir uns auf in Richtung Erbeskopf. Irgendwann fing es an zu Regnen. Wir hielten an und zogen die Regenklamotten an. Aber schon kurze Zeit später hörte es auch wieder auf. Mir wurde es eindeutig zu warm. Nachdem ich ein - zwei Mal nach vorne rief, dass ich kurz anhielten möchte um meine Klamotten auszuziehen, was aber wegen den Mützen nicht ankam, fuhr ich rechts ran. Ich kochte im eigenen Saft. Wolf fuhr vorbei und ich ging davon aus, dass er, sobald er aufgeschlossen hat, den anderen Bescheid geben würde. Sie warteten dann einige viele Kilometer später in einer Bushaltestelle auf mich. Durch den fehlenden Schlaf waren sie so müde, dass sie dringend eine Pause benötigten. Es war 6 Uhr und die Chancen standen gut, dass ein Bäcker schon geöffnet hat. Und tatsächlich. Keine 200m weiter leuchtete uns mit warmen Licht ein BäckerKaffeelädle entgegen. Hier trennte ich mich von den Anderen. Ich war zu fit um zu pausieren. Zumal der Erbeskopf auf mich wartete und ich nicht mit kalten Muskeln in den Berg fahren wollte. An der nächsten Kontrollstelle, der Aral Tankstelle in Wittlich, würde ich auf sie warten.

Nun ging es stressfrei weiter. Erstaunt stelle ich fest, dass es mir gut tat alleine zu sein. Endlich konnte ich mich von meinen Beinen verabschieden und die ihren Job tun lassen. Die Auffahrt zum Erbeskopf zog sich. Es regnete wieder, der Berufsverkehr hatte eingesetzt und ich war auf einer Bundesstasse unterwegs. Mein Versuch den Radweg zu benutzen wurde sofort mit Zwangsstop zum Reifenpulen bestraft…Scherben..viele Scherben. Jetzt blies mir auch noch der Wind ins Gesicht. Und das bei der Steigung. Wann geht es endlich links ab? In den Wald, in den Windschatten?

Dann endlich, die letzten paar Meter. Mittlerweile war es hell geworden. Die Zange war leicht zu finden, viele waren schon vor mir da gewesen. finden „Folgen sie diesem Trampelpfad“. Der Wind war so heftig, dass ich Angst hatte, mein Rad, welches ich an ein Straßenschild lehnte, würde es umpusten. Schnell noch ein Gipfelbild. Selfie ist normal nicht meine Welt, aber ich wollte mal sehen was 1200 km mit mir anstellen.

Auf-auf.. weiter, bevor es mir kalt wird! Runter vom Erbeskopf und ab Richtung Wittlich.

Der Blick zurück veranlasste mich ein Aufmunterungsfoto an die mir folgende Gruppe zu senden.

Regen hörte auf und hier und da war schon mal ein blauer Fleck zu sehen. In Wittlich vertrödelte ich dann einige Zeit. An der Tankstelle – ab ins Dorf zum Bäcker – Zwetschgenkuchen holen – zurück zur Tanke. Aynur und Hajo waren immer noch nicht da. Da ich mich alleine eigentlich sehr viel ruhiger fühlte (bitte nicht falsch verstehen!) stand mein Entschluss fest – ich fahre den Rest allein. Warten macht keinen Sinn.

Weiter ging der Weg über Bahntrassen durch die Eifel an Maaren vorbei, durch Tunnel durch und hoch nach Boxberg. Und warum heißt es Boxberg – klar – der letzte Aufstieg war so steil, dass es einem vom Rad boxt. Entschuldigt, aber das sind so Gedanken die einem einfach in den Kopf flutschen wenn man so alleine unterwegs ist. Essen und Trinken neigten sich dem Ende. Ich fahre auf Ingwerbonbons und Lakritze.
Aber die Strecke - Absolut schön! Danke!

Dann kommt das Schild Wasserscheide. Und ich bin während der Abfahrt so mit der Überlegung beschäftigt, was für eine Wasserscheide das sein könnte, dass ich ganz vergesse den Belag im Auge zu behalten. Ich sause runter. Ein Wohnmobil fährt vorbei und die Insassen applaudieren. Die Autos fahren dicht und eng an mir vorbei. Das stresst und irgendwie bekomm ich leichte Angstanfälle. Hinter mir ein Kleinwagen. Vor mir Serpentinen. Ich liebe Serpentinen! Ich will ihn nicht aufhalten oder gar zum Überholen reizen. Zu eng das Ganze. Und so saus ich in eine wunderschöne Serpentine…und mir ist klar…bremsen geht nicht mehr .... die Straße ist arschglatt vom Regen und was weiß ich. Schwupp – das Hinterrad geht weg, ich dreh mich auf der Hüfte und dem Ellbogen um die eigene Achse, Rad fest zwischen den Knien eingeklemmt. Und auf dem Bauch mit Rad und Beine voraus geht es den Berg runter. Auf der Gegenfahrbahn komm ich zum Halten. Der Fahrer des Kleinwagens hält sofort an und zieht mich fast noch vor dem Aufstehen von der andere Straßenseite, redet auf mich ein, ich soll mich beeilen, weil die Autofahrer hier so schnell durchrasen. Doch ich muss erst aufstehen und mich sortieren. Langsam nehm ich das Rad auf und schieb es auf die andere Seite. Rechtzeitig bevor eine Autosalve herangedüst. Schnelle Kontrolle: Rad: Bremsen – gut, Schaltwerk -  gut, Gabel – Gut. Sattelstütze – gut. Danke lieb Carradicetasche, du hast mir meine Hüfte gerettet. Hüfte? Aua. Will‘s nicht wissen. Fuß bewegt sich. Schmerz wird beim Bewegen sicher vergehen. Ellenbogen..nicht schön. Dick und fett, aber nur etwas blutig. Aber nichts verrissen, keine Abschürfungen nichts. Mannmannmann, muss das glatt sein! Kind im Auto leicht entsetzt, Vater bietet mir an, mich und Rad einzuladen und uns mit nach Rheinbach mitnehmen. Auf einen Kaffee und vielleicht zum Arzt. Kurze Erklärung von meiner Seite, dass das überhaupt nicht geht, weil ich ja gerade eine Prüfung ablege. Und eigentlich ist ja alles ganz. Bremsen greifen , nichts schleift und Räder rollen frei. Schaltung geht auch. Kein Grund abzubrechen. Vielen Danke! Ich steig auf und roll, etwas unrund, zugegeben, los. Der wirklich besorgte Autodaddy fährt winkend an mir vorbei. Bon Route. Kind schaut. Begegnung beendet. Kleiner Witz am Rande: die Ortschaft davor hieß Scheuerheck… muss ich noch mehr sagen?

Weiter weiter..Bonn kommt und danach Spich. Ich hasse Städte. Feierabendverkehr. Die Autofahrer übersehen mich. Ich muss bremsen. Ausweichen. Schimpfen. Ausweichen. Falsch abgebogen. Muss fragen wie ich über die Brücke komme. Der Weg von Bonn nach Spich ziiiieeht sich. Die Nerven liegen langsam blank. Dann, da vorne MUSS das Waldstation sein. Noch mal einen kurzen Scheißbuckel hoch und … geschafft. Ich werd begrüßt, fotografiert, gerade beginnt es wieder mal zu Regnen. Rad unter das Dach gestellt. Wechsel- und Waschsach raus gewühlt. Ich geh rein schau das Buffet an, ja Buffet. Mit Kuchen Schokocreme Käsebrot Suppe. Aber erst Stempel holen und Batterien zum Laden andocken – brauchen ja 4 h. Wichtige Fragen: Wo ist Toilette? Wo der Waschraum. Und dann ruft mich die Dusche. Nix waschen. Waaarmes Wasser. Endlos warmes Wasser. Es gäbe sogar Handtücher. Da hätte ich meines ja nicht mitschleifen müssen. Leise geh ich durch den Schlafraum wieder runter. Es schlafen einige. Ich auch bald.

Unten dann Suppe – leider wieder mit Wurst inside. Aber … ich will, brauch was koffeinfreieWarmes. Dann muss ich das halt mitessen. Ist aber nicht schlimm. Und zum Glück wird mir nicht übel von dem Brät. Die fleissigen Bienchen aus Spich wollen noch wissen wann sie mich wecken dürfen. Hmm – nicht länger wie 4 h. Aber normalerweise wache ich von alleine auf. Dann meld ich mich als „Schlafend“ ab. Hinlegen zudecken – warm! Kopfhörer Musik schlafen.

2h später aufstehen. Wieder was essen. Reden. Aynur und Hajo sind immer noch nicht da und es regnet wie aus Kübeln. Schon die ganze Zeit. Ich geh raus und rein und raus. Und ENDLICH…sie kommen. Bin ich erleichtert! Aber Wolf ist nicht dabei. Ich zieh mich an und packe mein Rad und das packt mich. Zeitgleich geht noch ein Anderer los. Wir werden uns die nächsten 3 Kontrollen umrollen. Aber nie zusammen fahren. Bei Nacht geht es durch Köln – rote Ampeln – was für rote Ampeln??? Der Track ist schlecht oder ich bin desorientiert, auf jeden Fall muss ich auf den Nächsten 10+x Kilometer mehr als einmal Wenden, weil ich auf der falschen Straße bin. Das macht mich etwas wütend. Karin – mach die Augen auf. Kind! Irgendwie kann ich mich an nichts erinnern was dann alles kam. Eine Stadt reiht sich an die andere, eine rote Ampel an die andere. In Wuppertal muss ich Pinkelpause machen. Irgendwo im Park. Umgeben von Stimmen. Aber es ist mitten in der Nacht und keine Autos unterwegs. Das ist gut. Schon bei dem Gedanke bei Tag, mit Autos und bei Regen durch das Ruhrgebiet zu fahren stellen sich bei mir sämtlich Haare.

Kurz vor der nächsten Kontrolle in Olfen beginnt es wieder zu regnen. Richtig zu regnen. Die Regenklamotten hatte ich schon in Spich angezogen, weil es kalt war. Daher musste ich immerhin nicht mehr anhalten. Aber musste das sein? So kurz vor der Kontrolle. Rein in die Tankstelle und dort drin war es schweinekalt. Die Klima lief voll. Die Kaffeetische waren im Anströmbereich. Ich wurde müde. Auf die Sitze legen, Regenjacke über den Kopf und kurz schlafen. Es regnet eh. Irgendwann stupfe mich der Mitfahrer an. Es hat aufgehört. Er fährt dann mal weiter. Hmmm.ja..tu das…tschüss bis nachher. Und es sah wirklich so aus als ob es nur noch nass von unten würde. Also raff ich mich auch auf. Hol mir noch etwas Lakritze. Dann Raus und weiter. Aber wie hatte ich mich getäuscht. Es regnet wieder heftig. Zudem hat der Geschäftsverkehr begonnen. Es ging über Hauptstraßen. Die Radwege waren für mich nicht mehr zu finden. Irgendwie verschwanden sie immer wieder von da wo ich gerade fuhr. Mein Kopf kam meinem Rad nicht mehr hinter her. Dann – da vorne ein rotes Licht und diese Wackeltasche kenn ich doch… Ah, waren wir wieder gemeinsam einsam unterwegs. Dann das 1. Hupen. Leck mich am Ärmle! Mir doch egal. Rechts flog der Mitfahrer auf dem Radweg an mir vorbei. Ich sollte… ich will nun auch da rüber. Was für ein Stress. Kaum hatte ich den Radweg nach einer sehr gefährlichen unerlaubten Straßenquerung und Rad über die Boller lupfen erreicht, war der auch schon wieder zu Ende und ich stand im Regen an einer roten Ampel. Endlich kam Münster in Sicht. Ich mittlerweile klatsch nass. Wechselklamotten hatte ich außer dem Trikot ja nicht mehr dabei.

Münster war noch mal etwas für die Konzentration. Münster ist zwar Radstadt, aber das hat auch seine Nachteile. Wenn man nicht auf dem Radweg fährt, weil er nicht gerade RR-freundlich ist, wird man verständlicherweise nicht gerade rücksichtsvoll behandelt. Dann endlich, noch mal Rumsuchen wo der Eingang ist, die Münster Kontrolle. Ich öffne die Tür und Wärme schlägt mir entgegen. Zieht mich rein und hieß mich willkommen. „Nasser Krieger setz dich und mach Pause“. Und was für eine! Warmer Jentschura-Brei mit Apfelmus und Nüssen, Müsli, Kuchen, Kokoswasser, Quinoa. Irgendjemand gabelte gerade Nudeln in sich rein. Alles was das Herz begehrt und noch vielmehr! Mindestens 5*. Wäre ich nicht so patschnass gewesen, ich wäre dem „Betreuer“ um den Hals gefallen.

Eigentlich wollte nach kurzem Stop gleich weiter, damit ich nicht anfange zu frieren. Dann fing es aber wieder an zu schütten und nach langer Zeit die ich am Tisch sitzend verbrachte, entschloss ich mich wenigsten das Nasse auszuziehen und über die Heizung, die heftig strahlte, zu hängen. Brei futtern, Kaffee trinken, Reden. Es war lustig. Einige hatten hier ihre Hauptpause gemacht und standen gerade auf. Hätte ich nur in Olfen gewusst wie es hier aussieht. Nun, ich hätte mich noch durchgekämpft. Nach langem hin und her.. verzog ich mich dann noch in die Schlafecke. Ein fettes Deckbett lag auch bereit. Ich hoffte, dass ich wenigsten die Radhose trockenschlafen konnte.

1h Später bin ich dann wieder raus gekrabbelt. Noch mal was gegessen. Angezogen…bäh…wie nass ist das denn…runter zum Rad. Kette fetten. Luft pumpen. Alles stand bereit, damit auch die Räder verpflegt werden können.

Dann wieder rauf aufs Rad und weiter ging es. Ab jetzt war es flach. Mehr oder weniger. Der Wind wurde immer mehr zum Problem. Auch wenn er wunderbar von hinten blies, war es dann doch des Guten zu viel. Äste lagen rum, so dass man die Radwege nicht mehr benutzen konnte. Hier und da lag auch mal ein Baum. Staub und anderer Gruscht flog durch die Luft und malträtierten meine Augen. Auf die Idee meine Brille aufzusetzen kam ich nicht, weil ich eigentlich immer ohne fahre. Die Regenfronten kamen und gingen. Dusche an, Dusche aus, Sonne an, Sonne aus. Das einzige Beständige war der Wind. Im Nachhinein betrachtet bin ich ihm wirklich dankbar. Hat er mich doch dermaßen beschäftigt, dass darüber das Flachfahren und alles drum nicht in mein Bewusstsein drang. Die Kilometer zogen so dahin. Irgendwann war es dann Zeit eine Schicht der Klamotten auszuziehen. Die trockenen Bereiche wurden größer und schließlich waren nur noch die Schuhe nass. Hier noch mal ein Bäckerstopp. Da ein Plausch, ein Lächeln, ein Winken, ein Kopfnicken wenn wir uns umkreisten. Ich fuhr alleine und doch nicht alleine. In Sichtweite war immer irgendwer der in Gelb strahlte. Es war schön, die Welt war gut. Es war Rund.

Von hinter rauschte dann mal wieder eine Regenfront an und dieses Mal stellet ich mich rechtzeitig unter. Gerade als es so richtig zur Sache ging, mit Wind und Baumgerüttel, zog einsam, vornübergebeugt und stoisch pedalierent der Mitfahrer vorbei, mit dem ich das Ruhrgebiet durchquert hatte. Wahnsinn!

Aber wie gehabt, folgte auf Regen Sonnenscheinen und ruckzuck waren die Straßen wieder trocken. Und weiter ging es, vom Winde verweht an Bielefeld vorbei (ein Gedanke an eine Seelenverwandte die ich vor Jahren kennenlernte streifte mich). Weiter durch Herford. Böen kamen von der Seite und es erforderte meinen ganzen Köpereinsatz das Rad auf MEINER Seite zu halten. Ein paar Mal wurde es eng, da der Wind mich chancenlos auf die Gegenfahrbahn trieb und genau dann auch noch ein LKW entgegen kommen musste. Aber wie gesagt, ich bin dem Wind dankbar, hielt er mich doch davon ab müde zu werden, weil er mich konstant forderte. Kurz vor Großenwieden häuften sich die Äste, Bäume, Äpfel Kastanien die einem das Fahren erschwerten. Dann eine Kurve – der Wind blies mir voll entgegen und … ich stand. Ich kämpfte. Einmal musste ich absteigen und das ganze über Baumgerümpel tragen. Und weiter. Dann hatte ich wieder Rückenwind. Kein Pedalieren war mehr nötig. Mit 30 Sachen schoss ich in Richtung Feuerwehr. Und daran vorbei. Ein Rufen…Bremsen…umdrehen. Ankommen. Das Team war so motiviert, dass es einem kaum Zeit ließen anzukommen. Schon stand die Suppe da. Aber zuerst musste ich noch Hose waschen, weil meine Wechselhose mich quälte. Über dem Stempeltisch wurde der Regenradar hin projiziert. Und es sah gut aus für den Rest der Fahrt. Wir hatten ja alle so unsere Sorgen, weil für Mittwoch und Donnerstag Regen und Sturm angesagt war. Aber anscheinend war die Front schneller durch gezogen als erwartet und der angekündigte trockene Dienstag war dafür nässer als ursprünglich vorher gesagt. Dies bedeutete aber, dass der schöne Freitag schon am Mittwoch/Donnerstag da war. Top! Nichts falsch gemacht!

Ein kleiner Lachanfall suchte mich heim, als ich lange verzweifelt erfolglos versuchte, mein Rad mit einem Klettband am Zaun zu sichern, damit es nicht umgeweht wurde. Ich fädelte ein - drehte rum - fädelte aus. Ich kam partout nicht drauf, wie ich Klett auf Klett bringen konnte. Am Arm…kein Problem. Aber Zaun + Rad!??? Auch ein anderer Fahrer den ich lachend um hilfe bar scheiterte daran, was mich noch mehr zum Lachen brachte. Kurz bevor ich einfach einen Knoten machen wollte, hat es dann doch noch funktioniert.

Nachdem die Suppe, in der wieder Wurst war, gegessen hatte, den weg des Futters ging, wollte ich mich kurz hinlegen. Solang konnte die Hose draußen im Sturm vor sich hin weh‘trocknen. Im Keller waren die Feldbetten, warme Decken und 2 Mitschläfer. Die machten jedoch so ein Radau, dass ich nach 1/2h aufgab und wieder hoch ging. Carpe Diem! In der Hoffnung unterwegs noch irgendwo einen Laden/Tankstelle zu finden, in dem ich mich für die Nacht eindecken konnte (Danke für den Überlebensriegel „Bananenbrot“ den ich spendiert bekam. Mit dem in der Tasche fühlte ich mich sicher. Sollte aber Notreserve sein), zog ich dann dem vermeintlich letzten Berg übers Wesergebirge entgegen.

Der rollte dann auch recht flott. Zumindest gefühlt:). Oben angekommen verabschiedete sich zum letzten Mal vor Hamburg, die Sonne.

Einsam zog ich durch die Dörfer. Anfangs waren sie noch recht belebt, je Dunkler die Nacht, desto ruhiger wurde es. Geplant hatte ich, bis km 1000 durch zu fahren. 200km am letzten Tag, das muss zu schaffen sein. Wie ich so durch die Dörfer rollte fiel mir auf, dass nur wenige mit einem EC-Hotel gesegnet waren. Daher entschloss ich mich, dass der nächste Automatenraum mir gehört, zumindest für 2 Stunden. Es dauerte dann doch noch bis Sachsenhagen (km990) bis ich einen fand, direkt neben einer Haussanierungsbaustelle. Kurz dachte ich daran dort einzuziehen, war es doch verlockend dunkel. Aber die Faulheit siegte. Ich hatte so gar keine Lust meinen Biwaksack und das Thermoinlett raus zu gruschteln. Zumal man das hinterher nie mehr so schön kompakt zusammen bekommt. Die Tasche hatte eh schon dicke Backen. Also bezog ich dann das VB-Hotel. Kalt war es auf dem Boden und die Hüfte tat auch ordentlich weh. Um 23 Uhr wurde ich von einem leisen summrattern geweckt und mir kam es so vor, als ob das Licht gedimmt wurde. Mir war so MüdeKalt, dass ich mich nicht aufraffen konnte da raus zu gehen. Ein Zeitpolster hatte ich ja noch - theoretisch.

Kaum eingenickt, wurde ich durch Türgerüttel und Stimmen geweckt. Augen aufschlagen hoch, schauen…da waren doch Helmlampen und Leuchtwesten vor der Tür. Jetzt war mir auch klar was das für ein Geräusch heute Nacht war – der Raum war abgeschlossen worden! Die 3 Brevetfahrer ließ ich rein und, oh welche Freude!, es waren Hajo und Aynur mit noch jemandem. Kurzer Plausch und Ruhe war. Aber kaum war ich wieder eingedöst…rüttelte es schon wieder. Aufstehen, Türe öffnen und schwupp, waren es wieder 3 mehr. Der Raum war nun voll und ich grinste breit in mich rein bei der Vorstellung, wie das auf der Überwachungskamera wohl aussehen wird. Der Boden ausgelegt mit müden Menschen, gekleidet in Leuchtwest und zu müde um den Helm ab zu setzen.

2 Stunden später machte sich die Gruppe um Hajo/Aynur auf. Mir war so kalt und nur die Vorstellung alleine in der Kälte zurück zu bleiben, bewegte mich dazu doch mit raus zu gehen. Die Andern zogen auch gleich mit los. Ich brauchte etwas länger und musste dann mit einem kleinen Aufwachsprint aufschließen. Ich versuchte einen Platz bei den 3en zu finden, aber irgendwie fühlte ich mich in keiner Position gut. Zudem störten mich die gellen Frontlampen. Fuhr ich davor, fuhr ich in meinem eigenen Schatten, dahinter fehlte mir die Konzentration um dran zubleiben ohne die Leute vom Rad zu rammen. Noch weiter vorne hatte ich immer 2 Leuchtkegel rechts und links über der Schulter, so dass jedes Kopfwenden mit einem grellen Beschuss der Netzhaut belohnt wurde. Ich weiß, ich bin da sehr empfindlich. Das ist etwas, was mich wie ein scheues Reh in eine kopflose Flucht treibt. Zuerst versuchte ich nach hinten raus zu fallen, aber dafür waren sie einen Tick zu langsam, bzw das Tempo war zu unregelmäßig. Also versuchte ich die Flucht nach vorne, was in eine gefühlten Verfolgungsjagt ausartete, die ich dann irgendwann verlor. So ging das ein Weilchen, ich wurde immer wütender, verfluchte meine zu lange Pause, ärgerte mich über mich. Mannmann war ich unleidig. Menschenfeind. Ich wollte nur meine Ruhe, auch wenn ein Teil von mir sehr gerne in der Gruppe mitgefahren wäre. Irgendwie hatte ich auch das Gefühl, dass ich nicht willkommen war. Wie gesagt, das megaüberspannte Sensibelchen das die Mäuse flüstern hört ergriff die Macht über mich. Hilflos war ich dem ausgeliefert und obwohl ich wusste, im Kopf, dass das alles nur Einbildung ist, war ich nicht fähig mich dagegen zu stellen. Irgendwann, ich weiß nicht mehr genau warum wieso weshalb, war ich dann doch wieder alleine. Wo waren die Anderen abblieben??? Keine Ahnung.

So zog ich denn wieder durch die Lande vorbei an“..bostel“s und „..loh“s. Bei dem einen oder anderen Namen kamen mir Menschen, die ich kannte und auch solche die lieber nicht kennen möchte in den Sinn. Es war um 5 Uhr als ich an einer Bäckerei vorbei fuhr, die gerade auf machte. AUF MACHTE! Kaffee! Endlich Aua-Hose wechseln – die Andere ist nun sicher endlich trocken. Bremsen – umdrehen – fragen –wirklich offen? – klasse! Ich stellte das Rad so ab, dass man es von der Straße aus sehen konnte. Ich war mir sicher, dass der eine oder andere Brevetfahrer nach mir kommen würde und es soll kein Kaffeedurstgequälter an der Quelle vorbeifahren. An der Theke gab ich meine Bestellung auf und im selben Augenblick kamen auch schon die nächsten Leuchtwestenträger zur Türe rein. Ich ab zum Umziehen. Als ich raus kam, war mein Kaffee noch nicht fertig oder schon getrunken. Kurz darauf kamen dann auch „meine“ 2. Hatte ich sie tatsächlich in der Nacht irgendwo übersehen? Stimmt…da war doch was…irgendwo war da ein Kiosk wo sie standen.…ich habe ja mit ihnen kurz gesprochen auf der Suche nach Kaffee. OhOH…Wie auch immer, ich kaute, schluckte, trank 2 Kaffee und eine Tasse Milch und dann ging es rein in den letzten Tag vor dem Bett. Ich war jetzt so auf Einzelkampf eingestellt, dass mich alles andere störte. Weiter ging es nach Schneverdingen. Dort wurde ich von einer Orientierungslosigkeit überfallen. Kurz konnte ich mich nicht mehr erinnern wie ich auf das Rad kommen soll. Lachanfall…Nicht gut! Das schrie geradezu nach einer weiteren Pause. Und ich erinnerte mich, da war doch noch ein Apfel in meinem FüllhornRucksack, den ich mir von der Feuerwehr mitgenommen hatte. Nachdem ich den genüsslich schluckend vernichtet hatte, ging es weiter auf die letzte Etappe.

Die Streckenführung zog sich wunderschön über Nebenstrassen, begleitet von der immer wärmer werdenden Sonne durch die Nordheide bis nach Hollenstedt, wo es erneut einen Beutel voll Lakritze gab (den von der Tankstelle in Often hatte ich in Münster gelassen, weil er mir zu schwer auf den Schultern lag).

Rattenhügel der Nordheide! Solche Dinger hatte ich ja gar nicht erwartet. Norden - Heide – FLACH, Sand und Heidekraut. Oh Süddeutscher was weißt du schon vom Norden! Die Autos wurden mir zu viel und so versuchte ich die eine oder andere Hauptstraße zu umschiffen, was mit Kopfsteinpflaster der Gattung unfahrbar belohnt wurde. Also…..zurück auf die Straße. Seit Schneverdingen fuhr ich mit Knopf im Ohr, damit ich die Autos nicht so höre. Ich weiß, das tut man nicht. Aber für mich ist es die einzige Möglichkeit gelassen auf Straßen mit Verkehr zu fahren. Ansonsten bricht bei mir das Fluchttier durch und ich donnere im schlimmsten Fall fast panisch-aggressiv durch die Straßen. Was irgendwann in einem Wutanfall endet. Und ehrlich…ich möchte niemandem mit einem meiner Wutanfälle  bedrängen. Es trifft immer die Falschen. Es flogen auch schon Flaschen, hab schon getreten und mit der Faust auf die Kotflügel getrommelt. Das will und brauch ich wirklich nicht. Hinterher bin ich dann immer so wütend auf mich, was auch nicht gerade etwas ist, nach dem es mich gelüstet. Irgendwann kam die „Geheimkontrolle“. Endlich! Laut singend – frohlockend – fuhr ich weiter.

Begleitet von Instant Karma (“ .. I dive through all the people, no sound crawls into my ears.  It’s lonely like the bottom of the sea though you’re all here.  So I dive, no sound, it’s lonely.  I sprung a leak.  A week ago it started to drip and wet my feet.  Now I’m sinking slow.  All the people that drift and sway in the undertow pull me back, to and fro.  I dive through.  Tonight I locked my hatch.  My porthole eye is too clouded to watch.  It’s cold down here.  If I go deeper maybe I’ll find a warmer sphere, if I go down maybe I ...?    Dive ...”)

Uriah Heep (“Moonlight night After moonlight night Side by side They will see us ride But if they cared to look Then they would see It's just our return to fantasy…”),
Stiff little fingers “Nobody’s hero” (“…Don't wanna be nobody's hero,Get up get out be what you are...But don't let heroes get your kicks for you. It's up to you and no one else….You think you're nobody, and I have all the fun. But no one is a nobody, everyone is someone…”),
UK Subs ”Party in Paris” (Nobody comes, nobody knocks on the door…Ooh la la la Ooh la lay…There’s a party in Paris Palais…)
und anderen geselligen Mitfahrern.

Und dann kam doch noch ein schöner Radweg. Und …Ein winkend Mann – ein Streckenposten – ein lächelnd Gesicht! Welch erfreulicher Anblick, der eine JubelWelle über mich schwappen lies. Meine Stimmung stieg noch mal um einige Grad, wenn das noch möglich war. Durch die Musik war ich auf einer unerwarteten Zufriedenheitsebene unterwegs, die mich nur sehr selten heimsucht. Einen Tee und einige Kekse später ging es dann weiter. Das Eis und die Rockerkneipe (wie Claus ankündigte min. 100Jahre Knast schauen einen an) riefen. Bei den Rockern lief Schnulzenpopmusik und ich konnte mir einen Kommentar diesbezüglich nicht verkneifen. War ich doch schwer irritiert, ja, gar enttäuscht. Schade das drin geraucht wurde, gerne hätte ich mich zu den Kneipisten gesetzt. Waren sie mir doch menschlich näher, als die ganzen Pseudos aus der Küsschengesellschaft. Anstelle dessen, holte ich mir das versprochene Eis von der Eisdiele daneben, setzte mich vor den „Klimperkasten“ und lauschte der Rockmusik die dem Außenbereich spendiert wurde. Die Streckenwahl bis zur Stadtgrenze Hamburg schonte meine Nerven und ich konnte es in vollen Zügen geniesen. Ich hatte schon so meine Befürchtungen gehabt. Noch zu präsent war die Fahrt in und um Bonn. Das Ganze war so surreal. Pferde, Kürbisse Höfe Felder alles schön und friedlich. Nur im Hintergrund die drohende Skyline Hamburgs. Und das alles in einem seltsamen klaren kantigem Licht.

Am Stadtrand rief dann noch mal ein Cafe nach mir. Die Sonne schien. Ich entledigte mich meine Warmklamotten, setzt mich raus und lies den Tag auf mich wirken. Die Durchfahrt durch Hamburg war dann noch mal sehr stressig und sprintlastig. Ich war so was von voll mit Adrenalin. Irgendwo bei einer Ampel schlossen dann noch 2 Mitstreiter auf und nun zu dritt,kämpften wir uns vorbei an den liebvoll in den Track eingebauten Sehenswürdigkeiten, durch zur JuHe.
Leider hatte ich so gar kein Auge über für die Stadtansicht. Das Einzige was mir so durch den Kopf schoss, ging eher in die Richtung, dass die Streckenführung sicher deshalb so gewählt wurde, dass am Ende der Reise die müden Muskeln durch das Kopfsteinpflaster noch mal so richtig durchgerüttelt werden.

Da ich aber in Hamburg noch bis Sonntag Verlängerung eingereicht hatte, machte ich mir auch keinen Kopf, weil ich das alles nicht würdigen konnte. In der JuHe wurden wir, wie alle vor uns und mit Sicherheit auch nach uns, freudig willkommen geheißen. Ich checkte ein, ging duschen und wollte, nach einem kurzen Schläfchen dann noch kurz was zu essen einkaufen gehen. Wie überraschte mich da meine Körperhülle, die mich wie betrunken taumelnd durch die Gassen schleichen lies. Einen Kaffee später, mit Joghurt, Obst und Wasser bepackt ging ich dann zurück ins Zimmer. Verschlang das gekaufte und leget mich dann noch mal hin. Gegen 21:30 Uhr wachte ich dann noch mal auf, ging runter und setzte mich noch Mal auf ein alkoholfreies Weizen zu Anderen. Dann…hoch ins Zimmer und zum letzten Mal schlief ich an diesem Tag ein.

Am Freitagmittag war dann gemeinsames Mittagessen. Es wurde geredet und zugehört, verabschiedet und fotografiert. Beklatscht und gewürdigt. Und schon war wieder ein Teil, was viel Leben enthielt vorbei und Geschichte.


Was bleibt? Außer schmerzende Sitzknochen und ein paar Schrammen, das erstaunliche Gefühl, dass mir die 1200 leichter gefallen waren als der 600er Saarland oder der 400er im letztes Jahr. Und 3 taube Finger und ein Paar taube Zehen.







Leben ist Bewegung, stillstand ist der Tod.


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